So kann sich jeder das Altenheim leisten
Thomas Wehrle von St. Cyriak schlüsselt die Kosten auf – Finanzierung auch bei geringer Rente möglich
Von
Christa Hajek
veröffentlicht am 14.12.2007
Furtwangen (cha) Der Entschluss, in ein Altenheim umzuziehen, fällt Senioren und ihren Angehörigen oft nicht leicht. „Kann ich die Heimkosten über-haupt bezahlen?“, fragt sich manch ein Interessent beim Vergleich des Rentenbescheides mit der Preistabelle des Altenheimes. Aus vielen Gesprächen kennt Thomas Wehrle, Leiter des Altenheims St. Cyriak, diese Sorgen. Er weiß auch, in welchem Maße Pflegeversicherung und Sozialamt helfen, die Kosten zu tragen und zeigt Wege im Dschungel der Sozialgesetzgebung.
Senioren, die so fit sind, dass sie im täglichen Leben keine Hilfe benötigen, zahlen derzeit im Altenheim St. Cyriak 51,23 Euro pro Tag, das sind in einem Monat mit 30 Tagen 1.536,90 Euro. Je nach Pflegestufe erhöht sich der Betrag auf bis zu 3.246,90 Euro monatlich in der Pflegestufe drei. In diesem Fall trägt die Pflegekasse 1.432 Euro, so dass der Eigenanteil des Bewohners sich auf 1.814, 90 beläuft.
Wer beispielsweise monatlich über 1.000 Euro Rente verfügt, sieht sich vor einer beträchtlichen Finanzierungslücke. Erst einmal, so erläutert Thomas Wehrle, müssen die eigenen Mittel ausgeschöpft werden: Sparguthaben sind zu verwenden, ebenso Einkünfte aus Immobilien. Manchmal reicht es, das Häuschen oder die Eigentumswohnung zu vermieten, ansonsten müssen Immobilien verkauft werden, um die Heimkosten zu bezahlen.
Als „unantastbares Barvermögen“ bleiben einem alleinstehenden Heimbewohner 2.600 Euro auf dem Konto, für Verheiratete sind es 3.214 Euro.
75 Prozent der Furtwanger Heimbewohner sind Selbstzahler, sie bestreiten die Heimkosten mit ihrer Rente oder Pension, Erspartem und den Leistungen der Pflegeversicherung. Wenn die eigenen Mittel nicht reichen, schließt das Sozialamt die Lücke. In enger Zusammenarbeit helfen Heimlei-tung und Furtwanger Bürgerbüro bei den Anträgen. Heimbewohner, die Geld von Sozialamt erhalten, behalten für den persönlichen Bedarf monatlich 93,69 Euro. Der Betrag kann sich in Sonderfällen etwas erhöhen – wiederum auf Antrag natürlich.
Eine Sorge ist meist unbegründet, dass nämlich die Kinder zur Kasse gebeten werden, wenn das Einkommen der Eltern nicht ausreicht. „Hier gibt es sehr hohe Freibeträge, die je nach Familienstand und Einkommen variieren“, weiß Werle aus Erfahrung. Jeder Einzelfall wird geprüft. In jedem Fall rangieren die Unterhaltsverpflichtungen gegenüber der eigenen Familie, Kin-dern und Ehepartner, vor der Verpflichtung, die Heimkosten für die Eltern zu finanzieren.
Die Pflegesätze setzt das Altenheim nicht willkürlich fest, sie werden mit Vertretern der Pflegekassen, dem Kommunalverband für Jugend und Soziales sowie dem Trägerverband Caritas ausgehandelt. In der aktuellen Preisliste von St. Cyriak wird der Anteil der einzelnen Bereiche aufgeschlüsselt: pro Tag beträgt der Investitionskostenanteil 6,52 Euro, für Unterkunft und Verpflegung werden 20,40 Euro in Rechnung gestellt. Der Aufwand für allgemeine Pflegeleistungen liegt zwi-schen 24,31 Euro für nicht pflegebe-dürftige Bewohner und 81,31 Euro für Bewohner mit der Pflegestufe drei.
Das Altenheim St. Cyriak bietet darüber hinaus eine Fülle von zusätzlichen Dienstleistungen, die einzeln abgerechnet werden. Das reicht von der Hilfe des Hausmeisters beim Einzug bis zur Ausgestaltung persönlicher Feste, vom Knopf annähen bis zum Zimmerservice. Angehörige, die im Gästezimmer des Heimes übernachten wollen, zahlen 21 Euro. Sie können gegen Unkostenerstattung auch an den Mahlzeiten teilnehmen.
Bewohner stehen für den Umzug parat
Altenheim hat sich mit Verzögerung arrangiert – Bauzeit muss verkürzt werden
Von
Christa Hajek
veröffentlicht am 16.11.2007
Im Altenheim St. Cyriak hat man sich mit dem verzögerten Umbau arrangiert. Heimleitung, Bewohner und Angehörige sind zuversichtlich. Und auch von den Umzugspaten, die jetzt erst im nächsten Frühjahr zum Einsatz kom-men, ist keiner abgesprungen.
Furtwangen (cha) Im Furtwanger Al-tenheim St. Cyriak geht das Leben seinen gewohnten Gang. Wenn die ursprünglichen Pläne verwirklicht worden wären, wären die Bewohner in die Räume des ehemaligen Krankenhauses umgezogen, im Haus am Kirchberg hätten die Bauhandwerker sich einge-richtet. Hätten - Wenn die Zuschüsse des Landes im Oktober zugeteilt worden wären. Sehr enttäuscht kamen die Verantwortlichen von der Reise nach Stuttgart zurück, wo ihnen mitgeteilt wurde, dass mit dem Geld erst im April zu rechnen ist. Vorher darf mit dem Bau nicht begonnen werden. (Der SÜDKURIER berichtete).
Die Räume im Krankenhaus als Heimat auf Zeit sind fristgerecht im Okto-ber fertig geworden, berichtete Heimleiter Thomas Wehrle. Nachdem aller-dings klar war, dass der Umzug ver-schoben werden musste, „haben wir langsam gemacht“ mit der restlichen Ausgestaltung der Räume, die vor allem in den Händen eigener Mitarbei-ter und ehrenamtlicher Helfer liegt. So werden die Gardinen erst in diesen Tagen aufgehängt. Zum Abschluss der Umbauarbeiten besichtigte kürzlich der Heimbeirat die Räume und zeigte sich erfreut darüber, dass alles sehr wohnlich wird. Immerhin investierte der Trägerverein rund 300.000 Euro. Nicht in dieser Summe enthalten sind zusätzliche Bewirtschaftungskosten, müssen die Räume doch während des Winters wenigstens so beheizt werden, dass nichts einfriert.
Über den neuen Zeitplan wurden inzwischen die Angehörigen und die Umzugspaten informiert. „Bisher ist noch kein Pate abgesprungen“, berichtete Thomas Wehrle. Vielmehr wurde bei Kennenlern-Besuchen schon manche Freundschaft angeknüpft.
Während für die Heimbewohner das Leben seinen gewohnten Gang geht, arbeiten Verwaltung und Bauleitung daran, einen Teil der verlorenen Zeit aufzuholen.
Die Ausschreibungsunterlagen werden versandfertig bereit liegen, wenn der Zuschussbescheid eintrifft. An einem „sehr straffen Bauzeitenplan“ wird mit Architekt und Ingenieuren getüftelt, um die kalkulierte Bauzeit von 18 Monaten auf 15 Monate zu reduzieren. Die Räume im Krankenhaus stehen dem Altenheim St. Cyriak laut Vertrag bis Ende 2009 zur Verfügung.
Neue Konzepte, mehr Pflegeplätze, eine eigene Abteilung für Demenzkran-ke, werden durch den Um- und Erweiterungsbau verwirklicht. Schon jetzt werden die organisatorischen Veränderungen in Angriff genommen und ent-sprechende interne Fortbildungsmaßnahmen für die Mitarbeiter veranstaltet, berichtete Wehrle.
Mancher Koffer, mancher Karton wurde zur Umzugsvorbereitung schon geplackt. Was nicht dringend benötigt wird, bleibt verpackt. Die Heimbewohner freuen sich auf die bevorstehende Weihnachtszeit in gewohnter Umgebung.
Alles fertig für die Bewohner, und sehr schön geworden, stellte der Heimbeirat des Altenheims St. Cyriak bei der Besichtigung der Räume im alten Kran-kenhaus fest. Bezogen wird das Über-gangsquartier erst im nächsten Früh-jahr, Weihnachten und Jahreswechsel werden noch in gewohnter Umgebung am Kirchberg gefeiert.
Die Lotsen für den letzten Weg
Furtwangen (cha) Seelsorge ist genau so wichtig wie die Sorge um das kör-perliche Wohlergehen der Bewohner im Altenheim St. Cyriak.
Von
Christa Hajek
veröffentlicht am 31.10.2007
Die Begleitung in der letzten Lebensphase ist Aufgabe für alle Mitarbeiter. Darüber hinaus kümmern sich ehrenamtliche Helfer um die Bewohner, nehmen sich Zeit für Gespräche und Begleitung bis zum Tod. „Bei uns wird niemand allein gelassen“, betont Margarete Dotter, die zusammen mit Doris Schwär eine „Arbeitsgruppe Seelsorge“ für die Altenheim-Mitarbeiter aufbaut. Die beiden haben sich dafür in einem einjährigen Seminar vorbereitet und werden nun regelmäßig einmal im Monat zu Vorträgen und Erfahrungsaustausch einladen.
„Seelsorge“ wird zwar auf christlicher Grundlage verstanden, aber nicht konfessionell eingegrenzt. Man arbeitet Hand in Hand, oberste Richtlinie ist der Wunsch des einzelnen Bewohners. „Wir sehen die seelsorgerische Beglei-tung als Angebot und drängen nieman-dem unseren Glauben auf“, versichert Margarete Dotter. Sie arbeitet seit 14 Jahren im Altenheim St. Cyriak.
Zum Angebot im Altenheim St. Cyriak gehören regelmäßig katholische und evangelische Gottesdienste in der Hauskapelle. Es gibt Andachten in den Wohnbereichen, auch die Kommunion wird dort gereicht. Salesianerpater Franz Hettel ist gern gesehener Gast im Altenheim, von evangelischer Seite besucht Vikar Steffen Mahler regelmäßig Senioren in St. Cyriak. Unermüdlich kümmern sich – obwohl eigentlich selbst im Ruhestand – drei Ordens-schwestern um die Senioren. Auch die Angehörigen wissen das Gespräch und die Begleitung zu schätzen.
Auch Senioren, die geistig nicht mehr auf der Höhe sind, werden nicht allein gelassen. Oft ist es nur ein Hände-druck, ein Blickkontakt, mit dem sie reagieren, wenn jemand an ihrem Bett betet und mit ihnen spricht. „Gewohnte Rituale, vertraute Texte und Choralme-lodien erreichten auch demente Men-schen“, weiß Dr. Dietrich Roether aus Erfahrung zu berichten. Er arbeitet ehrenamtlich für die Hospizbewegung.
Die Menschen, die ins Altenheim zie-hen, wissen ebenso wie ihre Angehörigen, dass dies die letzte Phase ihres Lebens ist. Ihre Wünsche und Verfü-gungen werden direkt beim Einzug ins Altenheim abgefragt und dokumentiert, sie sind Richtschnur für die Art der Betreuung.
Rund 40 Todesfälle pro Jahr gibt es durchschnittlich im Altenheim St. Cyri-ak. Die meisten Bewohner erleben ihre letzten Stunden in ihrem Zimmer, eher selten wird jemand wegen akuter Krankheit in ein Krankenhaus verlegt. Der Verstorbene bleibt in seinem Zim-mer, bis die Angehörigen Abschied genommen haben, und wird dann in den Aufbahrungsraum des Hauses gebracht. Der kleine Raum im Unterge-schoss ist würdig geschmückt und steht allen offen, die mit dem Verstorbenen in stiller Andacht verweilen möchten. In der Hauszeitschrift, die zweimal pro Jahr erscheint, wird der Verstorbenen noch einmal namentlich gedacht.
Nach dem Umbau wird der Aufbah-rungsraum ins Erdgeschoss verlegt, ebenso wie die Kapelle leichter zu-gänglich für Heimbewohner und Besu-cher von außerhalb.

Sie kümmern sich um die Seelsorge im Altenheim St. Cyriak: von links in der vorderen Reihe Schwester Marti-nella, Schwester Benita, Schwester Saitbert und Doris Schwär, hinten Dr. Dietrich Roether, Vikar Steffen Mahler, Pater Franz Hettel, Margarete Dotter, Ute Sommer und Siegfried Enz. Bild: Hajek
Das Altenheim als Zuhause
Furtwangen (hjk) Altenpflege ist mehr als die Sorge um die körperliche Versorgung der Senioren.
Von
Christa Hajek
veröffentlicht am Mittwoch den 10.10.2007
Die „ganzheitliche Sicht des Bewohners“ ist gefragt. Richtschnur dabei ist es, die Eigenständigkeit der Bewohner zu erhalten und zu fördern, betont Nevenka Kosanovic, Pflegedienstleiterin im Altenheim St. Cyriak. Weit über die Hälfte der gut 90 Altenheim-Angestellten, genau 52, sind im Pflegedienst beschäftigt. Davon wiederum sind die Hälfte ausgebildete Fachkräfte, ein Anteil, der gesetzlich vorgeschrieben ist. Sie werden von Pflegehelfern und angelernten Kräften unterstützt. Altenpflege ist überwiegend Frauensache, dennoch, im Altenheim sind fünf examinierte Altenpfleger tätig. Es gibt Arbeiten, die den ausgebildeten Pflegekräften vorbehalten sind. Das ist insbesondere die „Behandlungspflege“. Wechseln von Verbänden fällt ebenso darunter wie Blutzuckermessungen, das Spritzen von Insulin und andere Injektionen. Auch dafür, dass die vom Arzt verordneten Medikamente vorschriftsmäßig eingenommen werden, sind die Fachkräfte verantwortlich.
Die Senioren im Altenheim müssen rund um die Uhr betreut werden, das bedeutet Schichtdienst sowie Dienst an den Wochenenden. Im Tagdienst wechseln sich Früh- und Spätschicht ab. Für die Einteilung ist Nevenka Kosanovic zuständig. Zwei Wochen lang ist ein Mitarbeiter in einer Pflegegruppe eingesetzt, dann wird innerhalb der Stationen gewechselt. Einerseits sollen die Pfleger für die Heimbewohner nicht dauernd wechseln, andererseits soll jeder Mitarbeiter auch auf einer anderen Station Bescheid wissen, denn bei Urlaubs- und Krankheitsfällen muss der Dienstplan variabel gehandhabt werden.
Immer mehr Heimbewohner sind an Demenz erkrankt, für sie ist spezielle Betreuung notwendig, die im umgebauten Haus besser als bisher gewährleistet ist. Das erste Obergeschoss wird als Demenzabteilung mit gut 30 Plätzen eingerichtet, in der die Bewohner in drei familienähnlichen Gruppen wohnen. Ein eigener „Sinnengarten“ im Freien vermittelt vielfältige Eindrücke. Präsenzkräfte betreuen die Menschen und helfen ihnen, das selbst zu tun, was sie noch können. Es wird keine „geschlossene Abteilung“, betont die Pflegedienstleiterin, sondern eine „beschützende Station“.
Regelmäßig kommen die Demenzgruppen im „Kirchbergtreff“ zusammen. Gemeinsam wird der Tisch gedeckt und entsprechend der Jahreszeit dekoriert. Bei Kaffee und Kuchen, Liedern und Gesprächen vergeht die Zeit rasch. Speziell ausgebildete Kräfte, Martina Ganter und Eva Althaus, organisieren den Kirchbergtreff zusammen mit ehrenamtlichen Helferinnen. „Ohne die ehrenamtlichen wäre das nicht möglich“, vermerkt Nevenka Kosanovic dankbar. Jedes Mal steht ein Thema im Mittelpunkt, an diesem Herbsttag ist es der Schulanfang. Schultüten und Schiefertafeln wecken Erinnerungen an die eigene Kindheit.
Hohe Anforderungen, physisch und psychisch, stellt der Beruf, räumt die Pflegedienstleiterin ein. Die Anforderungen wuchsen, seit sie im Jahr 1988 in den Beruf einstieg, resümiert sie im Rückblick. Vor allem wird die Zeit für Gespräche knapper. Dennoch liebt sie ihren Beruf. „Wenn ich dazu beitragen, dass die Bewohner das Altenheim wirklich als Heim empfinden, dann ist das Ziel erreicht“, sagt sie und stellt ganz sachlich fest, dass auch das Sterben zum Leben gehört. Obwohl sie in ihrer jetzigen Position viel Verwaltungsarbeit zu erledigen hat, kennt Nevenka Kosanovic jeden Bewohner, und das soll so bleiben. „Den Kontakt will ich auf keinen Fall verlieren.“

Im Kirchbergtreff des Altenheims St. Cyriak gibt es Kaffee und Kuchen, Lieder, Bewegungsspiele und Gedächtnistraining. Im Bild stehend Pflegedienstleiterin Nevenka Kosanovic (links) und Barbara Rudzki, rechts daneben Linde Rohner, eine der ehrenamtlichen Helferinnen. Bild: Hajek
Alles wird frisch gekocht
Furtwangen (cha) Für rund 100 Leute wird im Altenheim St. Cyriak täglich gekocht: Frühstück, Mittagessen, Kuchen zum Nachmittagskaffee und Abendbrot kommen frisch aus der hauseigenen Küche.
Von
Christa Hajek
veröffentlicht am Donnerstag den 20.09.2007
Gesundheitliche Aspekte werden dabei ebenso berücksichtigt wie individuelle Wünsche. Selbstverständlich gibt es neben der „Vollkost“ Diät für Diabetiker und Gallenschonkost. Und wer Nudeln nicht mag, keinen Fisch isst oder Käse nicht verträgt, für den gibt es Alternativen. Auch auf die Wünsche von Vegetariern geht die Küche ein, was freilich sehr selten gefragt ist. Auf detaillierten Listen ist alles festgehalten, nach diesen Listen füllen die Küchenmitarbeiterinnen die Menü-Tabletts individuell für jeden einzelnen Bewohner von St. Cyriak. Ebenso wird berücksichtigt, welche Heimbewohner sich die Frühstücksbrote selbst schmieren können, für wen sie gerichtet und in mundgerechte Stücke geschnitten werden. Praktisch jedes Menü kann püriert werden, für alle, die nicht mehr gut kauen können.
Die mit den Speisen bestückten Tabletts werden in „Andockstationen“ gestellt. Hier wird das Essen auf 75 Grad gewärmt, Dank raffinierter Technik nur die warmen Speisen, während Salat und Dessert kalt bleiben. Die meisten Heimbewohner nehmen die Mahlzeiten in ihren Wohngruppen ein, nur etwa 20 essen im Speisesaal, unter ihnen auch einige „externe“.
Küchenchef Arnold Kemmerle leitet ein achtköpfiges Team, drei von ihnen sind gelernte Köche. Er lernte seinen Beruf im Furtwanger Krankenhaus, sammelte Berufserfahrung in zwei Hotels und kocht seit 25 Jahren im Altenheim, seit einem Jahr ist er Küchenleiter. Er qualifizierte sich durch Weiterbildung als „Heimkoch“ und schrieb als Projektarbeit ein Kochbuch „Omas und Opas Rezepte zum Kochen und Backen“.
„Gut bürgerliche Küche“ lieben die Heimbewohner, weiß Arnold Kemmerle aus Erfahrung. Auch exotisches wie Bami Goreng oder ähnliche Reisgerichte kommen gut an. „Soße muss immer dabei sein“. Der Küchenchef kauft selbst ein, Fleisch beim heimischen Metzger, Gemüse in der Region. Tütensuppen gibt es nicht, alles wird frisch zubereitet. „Gesünder, leckerer und preisgünstiger“, betont der Küchenchef.
Frisches Obst steht immer bereit.
Heute steht Reis mit Kalbsfrikassee und gemischtem Salat auf dem Speiseplan, „das kann jeder essen“, die Diät-Alternative entfällt. Kassler Ripple mit Sauerkraut und Kartoffelbrei ist dagegen nicht so leicht verdaulich, als Alternative wird dann beispielsweise gekochte Schweineschulter mit Karottengemüse angeboten.
Nach dem Umbau möchte Arnold Kemmerle das „Erlebnis Kochen“ den Heimbewohnern näher bringen, den Duft frisch gekochter Speisen in ihren Wohnbereich bringen, wenigstens ab und zu. Der fahrbare Herd wird abwechselnd in den Wohnbereichen stationiert, und dort wird dann Suppe zubereitet.
Die Altenheim-Küche bleibt auch während der Bauzeit am alten Platz, wenn die Bewohner im früheren Krankenhaus leben. Dann wird das fertig gekochte Essen in Wärmebehältern ins Krankenhaus gefahren, aus denen dann die Küchenmitarbeiter den Heimbewohnern direkt das Essen servieren. Der organisatorische Aufwand dafür ist beträchtlich, die minutiös ausgearbeiteten Pläne hat der Küchenchef in der Schublade.

Arnold Kemmerle leitet die Küche des Furtwanger Altenheims St. Cyriak. Zusammen mit Monika Diehr (links) und Carolin Dold richtet er die Speisen für das Mittagessen
So wird das „neue“ Altenheim
Furtwangen (cha) Mehr Platz, aber nicht mehr Pflegeplätze wird das Altenheim St. Cyriak in Furtwangen durch den An- und Umbau erhalten.
Von
Christa Hajek
Das Pflegekonzept wird neu strukturiert, den veränderten Bedürfnissen und Krankheitsbildern der Bewohner angepasst. Darüber hinaus werden für 80 Prozent der Bewohner Einzelzimmer zur Verfügung stehen. Architekt Wolfgang Huller und Heimleiter Thomas Wehrle erläuterten im Gespräch mit dem SÜDKURIER das bauliche Konzept.
Auf drei Etagen wird das Haus um jeweils gut 300 Quadratmeter erweitert, die zusätzlichen Flächen werden in die Pflegegruppen jeder Etage integriert. Das erste Obergeschoss ist für Demenz-kranke Bewohner bestimmt und wird entsprechend eingerichtet. Es erhält eine eigene Terrasse. Im zweiten und dritten Obergeschoss werden die übrigen Pflegeplätze eingerichtet. Die einzelnen Pflegegruppen haben zehn bis zwölf Bewohner und jeweils einen Aufenthaltsbereich. Drei Gruppen befinden sich in jeder Etage. Insgesamt ist das Haus für 98 Pflegeplätze konzipiert.
Im vierten Obergeschoss, gewissermaßen in Penthouse-Lage, gibt es Wohnungen für „unsere mobilsten Senioren“, wie Thomas Wehrle erläutert. Bis zu sieben Bewohner finden in diesen Wohngemeinschaften Platz.
Das Erdgeschoss wird nicht erweitert, der Anbau ist auf dieser Ebene ein „Luftgeschoss“, mit einer Durchfahrt für die Feuerwehr sowie Parkplätzen. Vom Haupteingang aus gesehen wird das Haus kaum verändert erscheinen, lediglich die Fassade wird neu verputzt. Im Innern freilich wird das Erdgeschoss neu strukturiert. Der große Speisesaal entfällt, die Bewohner nehmen die Mahlzeiten in ihren Wohngruppen ein. Die Kirnerstube wird zum Foyer hin geöffnet und dient gleichzeitig als Empfang. Die Altenheim-Kapelle wird aus dem Keller geholt und im Erdgeschoss eingerichtet, direkt vom Windfang aus zugänglich. Mit beweglichen Wänden gegenüber der Kapelle und dem Konferenzraum kann das Foyer flexibel größer oder kleiner sein, je nach Veranstaltung.
Ganz neu eingerichtet wird im Erdgeschoss ein Aufbahrungsraum. „Wir wollen die verstorbenen Bewohner würdevoll durch den Haupteingang verabschieden“, hebt Konrad Uttenweiler im Gespräch hervor. Für Angehörige wird ebenfalls im Erdgeschoss ein Gästezimmer eingerichtet.
Im Untergeschoss gibt es nach der Neustrukturierung mehr Platz für die Tagesbetreuung Demenz-kranker Menschen. Vor allem wird ein Ruheraum geschaffen. Drei Gruppen, werden bisher einmal pro Woche betreut, eine wichtige Entlastung für die Angehörigen. Bei Bedarf kann zukünftig Tagespflege täglich angeboten werden.
Bei der Sanierung wird die Haustechnik auf modernen Stand gebracht. Eine 20 Zentimeter dicke Dämmschicht unter dem Putz, eine neue Gasheizung, neue Fenster und Außentüren werden Energie einsparen, 25 Prozent, schätzt der örtliche Bauleiter des Architekturbüros Huller, Günter Sackmann. Ein Blockheizkraftwerk produziert nicht nur Wärme für das Haus, sondern auch Strom.
Sichtbar wächst derzeit der Anbau an der Nordseite des Hauses empor. Bis zum Winter wird er unter Dach sein, Im Herbst ziehen die Altenheim-Bewohner ins früherer Krankenhaus um, sodass während des Winters zügig umgebaut werden kann. Architekt Wolfgang Huller zeigt sich zuversichtlich, den Bauzeitenplan einzuhalten. 18 Monate sind vorgesehen. Ob er Überraschungen befürchtet, wenn es an das 30 Jahre alte Gebäude geht? „Wir haben schon einige Alten- und Pflegeheime umgebaut und viel Erfahrung damit“, versichert der Architekt.
Infokasten
Das Altenheim St. Cyriak hat derzeit rund 5.400 Quadratmeter Nutzfläche. Im Anbau entstehen neu 1.000 Quadratmeter.
Das Haus bietet nach dem Umbau 98 Pflegeplätze, 80 Prozent in Einzelzimmer, sowie sieben Plätze in drei Wohnungen.

Auf Stelzen entsteht derzeit der Anbau am nördlichen Ende des Altenheims St. Cyriak. Bei der Besichtigung der Baustelle Konrad Uttenweiler, zweiter Vorsitzender des Trägervereins, Architekt Wolfgang Huller, Heimleiter Thomas Wehrle und Bauleiter Günter Sackmann. (von links)
Sie schaffen den Senioren ein gemütliches Heim
Furtwangen (hjk) Für eineinhalb Jahre wird das ehemalige Furtwanger Krankenhaus die Heimat der Altenheimbewohner werden.
Von
Christa Hajek
Derzeit wird dort eifrig gewerkelt, um das Haus wohnlich zu gestalten. Eifrige Helfer bei der Instandsetzung sind zehn junge Leute, die die Pro Job GmbH engagiert hat, Jugendliche ohne Arbeit, meist auch ohne Ausbildung, denen geholfen wird, Perspektiven für eine berufliche Zukunft zu entwickeln.
„Wir wollen keine Krankenhaus-Atmosphäre, sondern gemütliche Zim-mer und Gemeinschaftsräume für unsere Bewohner schaffen“, umreißt Heimleiter Thomas Wehrle bei einem Rundgang das Ziel. Dazu zählen Aufenthaltsräume mit schönen Ausblicken ins Katzensteiger Tal und in die Stadt sowie ein kleines Bistro im Erdgeschoss, Ersatz für das Kirnerstüble. Im ersten Obergeschoss, wo früher die Patienten der Chirurgie warteten, wird eine Kapelle eingerichtet. Offen zum Flur hin, lädt sie auch außerhalb der Gottesdienstzeiten zur Andacht ein. Die Zimmer für die Bewohner befinden sich im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss.
Wenn man die sauber gestrichenen Räume anschaut, die auf die Möbel und die Bewohner warten, sieht man nicht, wie viel Technik hier verlegt wurde. Alle Zimmer erhielten Notrufanlagen, Telefon- und Fernsehanschlüsse sowie Brandmelder. Insbesondere beim Brandschutz gab es keine Kompromisse.
Von den 300.000 Euro, die der Caritas-Altenheim-Verein in den Umbau investiert, fließt über ein Drittel in Brandschutzmaßnahmen.
Elektro- und viele andere Arbeiten führen Fachfirmen aus. Streichen, putzen, gipsen, spachteln, dabei packen auch ehrenamtliche Helfer mit an. Und vor allem sind in diesen Bereichen die Jugendlichen der Stiftung „Lernen, fördern, arbeiten“ tätig, zu der die Projob GmbH gehört. Wolfram Buck leitet die Helfer an, schaut, wer welche Talente hat und wo am besten eingesetzt werden kann. Versiert mit Farbrollen und Pinsel ist zum Beispiel Heike Porath. Zwei Jahre Malerlehre hat sie hinter sich, dann kündigte sich Nachwuchs an, und sie brach die Ausbildung ab. Jetzt versucht die junge Mutti, über die Stiftung wieder Fuß zu fassen. Alessandro Schinina sucht schon lange einen Ausbildungsplatz. Seine handwerkliche Begabung bestätigt ihm Wolfram Buck, sein Handicap: Alessandro hat keinen Schulabschluss.
Für ein halbes Jahr werden die jungen Leute bei der Stiftung angestellt, ihr Gehalt wird über Aufträge und mit Unterstützung des Arbeitsamtes finanziert. Die Arbeit wird sozialpädagogisch begleitet, berichtet die Bereichsleiterin Manuela Günthner. Persönliche Beratung hilft, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Man unterstützt die Jugendlichen bei der Suche nach Ausbildungs- oder Praktikumplätzen.
Infos: Projob GmbH, Benediktinerring 8, Villingen, Tel. 0741/9425856.

Dieses Team arbeitet derzeit im ehemaligen Furtwanger Krankenhaus, um die Räume für die Bewohner des Altenheimes St. Cyriak herzurichten. Bilder: Hajek

Junge Leute arbeiten fleißig bei der Renovierung im, unter ihnen Heike Porath, hier im Gespräch mit dem Leiter der Gruppe Wolfram Buck.

Bei ihm haben sich viele getraut
Furtwangen (cha) „Sie haben uns getraut“, das hört Hanns Römer des öfteren, und er freut sich immer, „wenn das Ehepaar noch beisammen ist“.
Von
Christa Hajek
veröffentlicht am Mittwoch den 22.08.2007
Furtwangen (cha) „Sie haben uns getraut“, das hört Hanns Römer des öfteren, und er freut sich immer, „wenn das Ehepaar noch beisammen ist“. Er ist einer der Bewohner im Altenheim St. Cyriak, den viele Furtwanger noch gut kennen. Fast 25 Jahre lang, von 1955 bis 1979, war er Hauptamtsleiter und damit auch Standesbeamter im Furt-wanger Rathaus. Seit zwei Jahren lebt der jetzt 90-jährige im Altenheim St. Cyriak. Wenn ihn auch sein Gedächtnis gelegentlich im Stich lässt, mit seinen hintergründigen Humor und seine Schlagfertigkeit überrascht der Senior seine Gesprächspartner auch noch im hohen Alter. Er pflegt die Geselligkeit nach wie vor, hat neue Freundschaften mit Zimmernachbarn geschlossen, besucht regelmäßig den Kaffeetreff und das Kirnerstüble und geht fast täglich in die Stadt, um kleinere Einkäufe zu erledigen. Auch die gründliche Zei-tungslektüre gehört zum Tagesablauf.Hanns Römer stammt aus Immendin-gen, sein Vater war Lokomotivführer. Der Sohn absolvierte eine Verwaltungsausbildung, nach Stationen in der Immendinger Stadtverwaltung und im Landratsamt Donaueschingen kam Hanns Römer 1955 zur Furt-wanger Stadtverwaltung. Als Hauptamtsleiter arbeitete in der Ära von drei Bürgermeistern: August Hug, Hans Frank und Adolf Herb waren seine Chefs. Sehr lebendig sind Römers Erinne-rungen an die Kriegszeit. Mit einem Soldaten aus Gelsenkirchen-Buer war er eng befreundet, er lernte dessen Schwester Maria kennen und verliebte sich in sie. Trotz aller Kriegswirren heiratete das Paar Im Jahr 1943. Drei Söhne wurden geboren, einer von ihnen, Peter Römer, wurde Lehrer an der Vöhrenbacher Schule und lebt mit seiner Familie in der Nachbarstadt.
Nachdem Hanns Römer 1979 in den Ruhestand ging, zog das Ehepaar in die Heimat der Frau nach Gelsenkir-chen. Maria Römer starb 1996. Hanns Römer zog wieder in den Schwarzwald, in die Nähe seines Sohnes und ent-schloss scih vor zwei Jahren, ins Al-tenheim St. Cyriak überzusiedeln. Hier fühlt er sich gut aufgehoben. Peter Römer und seine Familie besuchen den Opa regelmäßig. Sie werden ihm auch beim bevorstehenden Umzug zur Seite stehen. Aus dem Flurfenster neben seinem Zimmer hat Hanns Römer den direkten Blick auf die Baustelle, wo der Anbau empor wächst. „Den Gedanken an den Umzug ins frühere Krankenhaus verdränge ich lieber, aber daran lässt sich ja nichts ändern“.
„Kommen Sie mit, Herr Römer?“, fragt Schwester Martinella. Hanns Römer, 90 Jahre alt, nimmt an vielen Aktivitä-ten teil, die im Altenheim St. Cyriak geboten werden.
Im Herzen der Stadt
Furtwangen (cha) Ein offenes Haus mit vielen Kontakten zur Stadt, mög-lichst viel Selbständigkeit für die betagten Bewohner, so stellten sich vor 40 Jahren einige junge Leute ein Furtwanger Altenheim vor.
Von
Christa Hajek
veröffentlicht am Samstag den 18.08.2007
Konrad Uttenweiler, einer der Initiatoren und 18 Jahre lang Leiter des Hauses, erinnert sich noch gut an den Start in den 60er Jahren. Das Konzept war der Zeit weit voraus, waren doch zu jener Zeit Einzelzimmer in Altenheimen die Ausnahme. Bis zu fünf Bewohner, die sich ein Zimmer teilten, mit Toilette auf dem Gang, waren keine Seltenheit.Konrad Uttenweiler und Günter Nie-sen engagierten sich kommunalpolitisch in der CDU, und immer wieder erfuhren sie in Gesprächen, dass ein Altenheim in Furtwangen vermisst wurde. Wer nicht mehr allein klar kam, musste in ein Heim „weit weg“, meist nach Hüfingen oder Geisingen. Man suchte und fand Mitstreiter in der Stadt, in der katholischen Pfarrei vor allem, aber auch über die Kreise von Kirche und CDU hinaus. Bürgermeister Hans Frank, SPD, „nahm die Idee sofort auf und hat das Eis gegenüber der Bevölkerung gebrochen“, betont Konrad Uttenweiler im Rückblick. Doch erinnert sich Uttenweiler auch an viel Skepsis: „Zehn Millionen Mark kriegt ihr nie zusammen“, wurden die Pläne immer wieder als unrealistisch abgetan. 1967 wurde der Trägerverein gegründet, der Caritas-Altenheim-Verein. Bei der Gründungsversamm-lung trugen sich in die Mitgliederliste ein: Alfons Diemer, Günter Niesen, Klemens Laule, Karl-Heinz Balzulat, Erich Renner, Konrad Uttenweiler, Klaus Panther Berta Muckle, Hans Spät und Dr. Erwin Ruf. Die Satzung legte fest, dass der Pfarrer von St. Cyriak Kraft Amtes Vorsitzender ist. Intensiv befassten sich insbesondere Konrad Uttenweiler und Günter Niesen mit den Altenheim-Plänen. Häuser in der Umgebung wurden besichtigt, oft genug führten sonntägliche Familien-ausflüge zu einem Altenheim. Neuen Schwung erhielten die Pläne, als 1972 Pfarrer Josef Beha nach Furtwangen kam. Ihm gelang es, die Bedenken vieler Skeptiker auch im Pfarrgemeinderat zu zerstreuen. Kon-trovers diskutiert wurde der Standort: im Grünen, ruhig am Waldrand, so argumentierten viele. „Im Herzen der Stadt wollten wir das Haus haben, räumlich und im übertragenen Sinne“, hielten Niesen und Uttenweiler dage-gen. Das alte Krankenhaus kam des-halb für sie nicht in Frage. Nach langer Suche entschied man sich für den Platz oberhalb des Schuhpeter-Hauses, neben der katholischen Stadtkirche. Das Grundstück im Stadtzentrum schenkten Pfarrei und Kommune je zur Hälfte dem Trägerverein. Im Jahr 1977, zehn Jahre nach der Gründung des Trägervereins, war das Ziel endlich erreicht, die ersten Bewoh-ner zogen in das Furtwanger Altenheim St. Cyriak ein. Stolz ist Konrad Uttenweiler auf die „unschätzbaren Kunstgegenstände“, die das Haus prägen. Der Furtwanger Maler Ernst Ganter schenkte dem Altenheim gleich zur Eröffnung zahlreiche Gemälde, überwiegend Landschaftsbilder der Umgebung. Hinzu kommen Werke der Kirner-Brüder sowie, gleich im Foyer, die Statue des Namenspatrons St. Cyriak. Von 1982 bis 1999 leitete Uttenweiler das Altenheim. Als zweiter Vorsitzender des Tägervereins ist er dem Haus auch heute noch eng verbunden, obwohl er im Ruhestand nach Konstanz umgezogen ist. Er gestaltet die Hauszeitung, backt Waffeln beim Weihnachtsmarkt und ist regelmäßig in seiner Heimatstadt. Als der 73-jährige die Kirnerstube betritt, schaut er grüßend in die Runde, dann geht dann doch von Tisch zu Tisch, begrüßt jeden mit Namen und Handschlag, man kennt sich eben immer noch. Kosten und Zuschüsse9,7 Millionen Mark kostete der Bau des Altenheimes vor 30 Jahren. Viele Aktionen brachten 300.000 Mark Spenden auf das Baukonto.An Zuschüssen wurden gezahlt:Knapp 2,2 Millionen Mark vom Land Baden-Württemberg, 1,4 Millionen Mark von der Stadt Furtwangen, 1,08 Millionen Mark vom Schwarzwald-Baar-Kreis, 360.000 Mark vom Erzbischöflichen Ordinariat. Die Mitgliederliste der Gründungsversammlung vom 4. Dezember 1967 hält Konrad Uttenweiler in der Hand. Er war einer der Initiatoren für den Bau des Furtwanger Altenheimes und leitete das Haus 18 Jahre lang.
Nicht zu alt fürs Ehrenamt
Nicht zu alt fürs Ehrenamt fühlt sich Georg Diesperger mit seinen 92 Jahren.
Von
Christa Hajek
veröffentlicht am Mittwoch den 15.08.2007
Er ist Vorsitzender des Heimbeirates im Altenheim St. Cyriak. Seit vier Jahren lebt er im Altenheim, ein Jahr nach seinem Einzug wurde er in den Beirat gewählt und übernahm wenig später den Vorsitz. „Hier ist alles in Ordnung“, versichert er, dass er von seinen Mitbewohnern höchst selten Klagen hört.Alle acht Wochen tagt der Beirat. Die übrigen Mitglieder sind Agathe Oehler als zweite Vorsitzende, Dieter Gralow, Frida Dietrich und Maria Hirt. Hinzu kommt als externe Heimfürsprecherin Rosel Seifritz. Der Beirat hat keine Entscheidungsbefugnis, weiß Georg Diesperger zu berichten. Das Gremium muss aber von der Heimleitung über wichtige Angelegenheiten informiert werden, dazu gehören natürlich auch die weitreichenden Umbaupläne sowie der Umzug ins ehemalige Krankenhaus für die Bauzeit. Der Beirat hat die Räume im Krankenhaus besichtigt. „Umziehen, das tut niemand gern, aber es geht nicht anders“, hat sich Diesperger ebenso wie seine Mitbewohner mit der Notwendigkeit abgefunden. Seine größte Sorge ist es, dass der Furtwanger Winter einbricht, bevor sich alle im neuen Domizil eingerichtet haben.Wohin geht der nächste Ausflug?, Welche Veranstaltungen sind für die nächste Zeit geplant?, auch darüber diskutiert der Beirat, hier kann er konkret Einfluss nehmen, Vorschläge machen, den Wünschen der Bewohner Nachdruck verleihen. Wenn es gelegentlich Streit unter Heimbewohnern gibt, versucht Diesperger, zu schlichten.Georg Diesperger stammt aus Löffingen und kam durch die Liebe nach Furtwangen. Er war während seiner Dienstzeit beim Militär als Erntehelferin auf der Lettwies eingesetzt und lernte dabei seine Frau kennen. 1938 wurde geheiratet, die Familie zog nach Furtwangen. Zwei Kinder wurden geboren. Der Sohn lebt in Freiburg, die Tochter verunglückte in jungen Jahren tödlich.Bei der Bregtalbahn arbeitete Diesperger zunächst als Streckenarbeiter, später viele Jahre als Lokführer. Als die Bahn 1973 stillgelegt wurde, fand er einen Arbeitsplatz bei der Firma B. Ketterer.Nach dem Tod seiner Frau lebte Georg Diesperger jahrelang allein, versorgte sich selbst, bis er vor vier Jahren krank wurde. „Mit 88 wird man ein bisschen lottrig“, sagt er lachend im Rückblick. Damals zog er ins Altenheim, ein Entschluss, den er nach eigenem Bekunden nicht bereut hat. Es geht ihm gesundheitlich wieder besser. Zu seinem Bedauern ist er aber wegen Rückenproblemen nicht mehr gut zu Fuß. Früher ist er sehr gern gelaufen. Jetzt hält er sich auf dem Heimtrainer fit. Auch an Ausflügen und den wöchentlichen Kaffeetreffs nimmt der Senior gern teil.Sein Sohn besucht den Vater jede Woche, er wird ihm auch beim Umzug zur Seite stehen. Bildunterschrift Sie arbeiten gemeinsam für die Heimbewohner, Ulrike Schmitt leitet den Sozialdienst des Altenheimes St. Cyriak, Georg Diesperger, 92 Jahre alt, vertritt die Interessen seiner Mitbewohner als Vorsitzender des Heimbeirates.
Frau Ulrike Schmitt (Sozialer Dienst) mit Herr Georg Diesperger
Seit 30 Jahren glücklich im St. Cyriak
Rosa Bäuerle ist die „dienstälteste“ Heimbewohnerin – aber bei weitem nicht die Älteste
VON
CHRISTA HAJEK
veröffentlicht am Samstag den 04.August 2007
Schön ist es hier, ich sitze auf meinem Sofa und warte, bis Essenszeit ist“, zeigt sich Rosa Bäuerle rundum zufrieden mit ihrem Leben im Altenheim St. Cyriak. Seit 30 Jahren ist das Haus ihre Heimat, sie ist
die Bewohnerin, die am längsten hier wohnt. Am 13. Mai feierte sie ihren 95. Geburtstag. Bis vor eineinhalb Jahren lebte sie im Heimbereich, dann musste sie, weil sie hinfälliger wurde, in die Pflegeabteilung umziehen.
Ihr Lieblingsmöbel, das Sofa, zog mit um. Über dem Sofa hängen Bilder mit Schwarzwaldmotiven, die Rosa
Bäuerle selbst gemalt hat. Auf dem Tisch prangt ein Blumenstrauß. Das war das Geschenk zum 30-jährigen
Heimaufenthalt: Ein Jahr lang gibt es für sie jeden Monat einen frischen Blumenstrauß.
Ihre Liebe zur Malerei entdeckte Rosa Bäuerle erst im Rentenalter. Nach dem Einzug ins Altenheim war
es Carl-Heinz Gutjahr, der sie im Umgang mit Pinsel und Farbe anleitete. Es entstanden kleine und große Kunstwerke in Öl auf Leinwand sowie Tuschzeichnungen, von denen einige ihr Zimmer schmücken.
Als viertes von sechs Geschwistern wurde Rosa Bäuerle am 13. Mai 1912 in der „Beckenmühle“ in der Bismarckstraße in Furtwangen geboren. Ihre älteren Geschwister hingegen erblickten das Licht der Welt in London. Die Familie kehrte jedoch 1911 nach Furtwangen zurück. Nach dem Besuch der Schule arbeitete
Rosa Bäuerle bei der Firma Gütermann in Gutach und lebte im dortigen Mädchenwohnheim. Die Kriegsjahre
verbrachte sie in Stuttgart, später arbeitete sie in der Heimatstadt in der Strumpffabrik Sommer und dann bis
zum Renteneintritt in der Firma Dold. Bis zu ihrem Umzug ins Altenheim St.Cyriak lebte Bäuerle in der Wilhelmstraße nahe der Post, wo sie ihre Mutter „Scherer Käthele“ bis zu deren Tod versorgte. Der Umgang mit Textilien machte ihr Spaß, sie nähte nicht nur alle eigenen Kleider selbst, sondern war auch für befreundete Familien tätig. Reisen ins Rheinland und nach Tirol waren Höhepunkte in ihrem Leben. Im Altenheim St. Cyriak fühlt Rosa Bäuerle sich gut aufgehoben. Ihre Betreuerin Erika Eckert kümmert sich liebevoll um die Seniorin, vermittelt, wenn das Gespräch mit Besuchern schwierig wird – denn Rosa Bäuerle hört nicht mehr so gut. An schönen Tagen fährt sie die St.-Cyriak-Bewohnerin im Rollstuhl spazieren. Rosa Bäuerle nimmt außerdem immer noch rege am Gemeinschaftsleben des Hauses teil und genießt vor allem die Musikdarbietungen. Mit ihren 95 Jahren ist Rosa Bäuerle aber bei weitem nicht die älteste Heimbewohnerin. Drei über 100Jährige leben hier, die älteste blickt auf 104 Lebensjahre zurück. Im Altenheim- Bereich kletterte der Altersdurchschnitt der Bewohner seit 1987 von 79 Jahre auf 86 Jahre, in der Pflege von 81 Jahre auf 84 Jahre. „Jüngere“ Heimbewohner
– zwischen 60 und 70 Jahren – ziehen in der Regel ein, weil sie gesundheitlich so angeschlagen sind, dass sie ihren Alltag nicht mehr selbständig bewältigen können.

Frau Rosa Bäuerle (links) mit Betreuerin Frau Erika Eckert
ALTENHEIM-SERIE Im Herz der Stadt
Es liegt im Herzen der Stadt und fühlt sich ihren Bürgern verbunden: Das Altenheim St. Cyriak hat
der Modernisierung und Erweiterung ein Riesenvorhaben geschultert. Ohne die
finanzielle und ideelle Mithilfe engagierter Bürger, ohne denselben ehrenamtlichen „Ruck“
vor 30 Jahren, steht Projekt auf schwachen Beinen. Wer hilft, möchte wissen, wen er unterstützt. Der SÜDKURIER startet deshalb heute eine Serie über das Altenheim. Wer lebt arbeitet dort? Wie angefangen, wohin
der Weg? Ebenso die einzelnen Phasen baulich und logistisch anspruchsvollen journalistisch begleiten. Die führende Tageszeitung in Furtwangen richtet mit dieser Innensicht der Einrichtung Kirchberg den die Menschen wünscht ihren viel Spaß bei der Lektüre.

I H R J E N S W U R S T H O R N



